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Wiedehopf
Um herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf das Vorkommen oder den Zug bestimmter Vögel auswirkt, wurde von Wissenschaftler der Universitäten in Durham und Cambridge sowie von der Ornithologengesellschaft Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) ein Klimaatlas entwickelt. Hierzu haben sich die Forscher zunächst angeschaut, welche Arten in welchen Gebieten vorkommen und in welcher Anzahl. Anschließend haben sich die Forscher die entsprechenden Klimadaten der jeweiligen Verbreitungsgebiete vorgeknöpft. Wie kalt ist es dort im Winter, wie warm im Sommer und wie feucht. Herausgekommen ist eine Art Landkarte, der man entnehmen kann, welche Vogelarten wo vorkommen und vor allem: Aufgrund welcher klimatischer Bedingungen.
Anschließend orientierte sich die britische Forschergruppe an den Daten eines mittleren Szenarios des Weltklimarats IPCC. Hiernach steige die globale Durchschnittstemperatur um drei Grad Celsius bis 2100. Darauf aufbauend prognostizierten die Wissenschaftler, in welchen Regionen am Ende dieses Jahrhunderts voraussichtlich günstige Klimabedingungen für bestimmte Vogelarten herrschen und wie sich diese Veränderungen auf ihr Vorkommen auswirken könnte.
Inwiefern der Atlas tatsächlich aussagekräftig ist, sei anhand eines Vergleichs mit bekannten Entwicklungen vergangener Jahre abzuschätzen. So birgt der Atlas zwar einige Fehlprognosen und Ungereimtheiten, eine Tendenz könne ihm aber deutlich entnommen werden: In Deutschland werden zunehmend Vogelarten vorkommen, die eigentlich aus dem Mittelmeerraum stammen. Die Zwergohreule beispielsweise, eine Eule, die bisher lediglich in südlichen Teilen Europas siedelte, werde sich zunehmend auch in Deutschland niederlassen. Ebenso der Wiedehopf und der Bienenfresser. Dieser exotische Vogel fühlt sich in Deutschland immer wohler. Er liebt und braucht die Wärme und ist von daher eigentlich im Mittelmeerraum beheimatet. Den farbenprächtigen Vogel zieht das inzwischen mildere Klima in Deutschland an, das reichliche Angebot an Insekten als Nahrung und genügend Brutplätze findet er auch vor. Dem Atlas zufolge wird sich das Verbreitungsgebiet des europäischen Durchschnittsvogels infolge der Temperaturerhöhung um voraussichtlich 550 Kilometer nach Norden und leicht nach Osten verschieben.
Kranich
Während wir uns allerdings über neue Vogelarten in unserem Umfeld freuen können, müssen wir gleichzeitig auch den Verlust anderer Arten hinnehmen. Dem Kranich könnten beispielsweise auf kurz oder lang die für ihn lebensnotwendigen Feuchtgebiete genommen werden. Folglich wird er Ostdeutschland den Rücken kehren. Norbert Schäffer vom RSPB befürchtet sogar, dass es langfristig mehr Verlierer als Gewinner des Klimawandels geben werde.
Auch der Trauerschnäpper könnte hierzu zählen. Er überwintert im zentralen Afrika und zieht im April und Mai nach Nord- und Mitteleuropa, um dort zu brüten. Die Rückkehr der Tiere fällt in der Regel mit dem Höhepunkt der Insektendichte zusammen. Durch den verfrühten Frühlingsbeginn kommen viele Trauerschnäpper zu spät in Europa an und verpassen den Zeitpunkt der höchsten Insektendichte. Durch das geringe Nahrungsangebot haben sie große Probleme bei der Jungenaufzucht. Der Trauerschnäpper bleibt seiner biologischen Uhr allerdings treu und hat sein Ankunftstermin im Brutgebiet bisher nur um einige Tage vorverlegt. Dies könnte ihm zum Verhängnis werden - einige Populationen in Europa sind bereits um 90 Prozent zurückgegangen.